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04.08.2012
Im Kurier heute: Jürgen Preusser

hema: Olympia 2012 - Zündstoff: Multiples Organversagen

Seit 30 Jahren wird das österreichische Sport-System kritisiert. Seit 30 Jahren passiert nichts.

Zuerst wollte Karl Stoss, der seit fast drei Jahren ÖOC-Präsident ist, alle beruhigen: Man dürfe keine Verunsicherung hineinbringen. Vor allem wegen jener Sportler, die noch ihre Chance hätten. Analyse nachher.

Dann spielte Stoss bei seiner Halbzeitbilanz den Ball an die Politik weiter: Die müsse die Bedingungen schaffen. Den am Vortag geäußerten Vorwurf von Sportminister Darabos, das ÖOC hätte zu viele Athleten nach London geschickt, wies Stoss zurück. Er lasse auch das Wort "Olympiatourist" nicht gelten. Er hat recht: Die als Touristen beschimpften Sportler sind die besten des Landes. Die Wurzel des Übels ist weit verzweigt und liegt nicht bei den Sportlern. Die sind Opfer – nicht Täter.

Seit 30 Jahren wird das System von Sportlern und Medien kritisiert. Seit 30 Jahren passiert nichts. Wenn einer den Mund aufmacht, wie jetzt Dinko Jukic, wird er als Querulant und Vaterlandsverräter abgestempelt.

Eine peinliche Nullnummer wie diese liefert einen guten Anlass, die Ursachen des multiplen Organversagens des österreichischen Sports aufzuwärmen.

Österreich ist eines der reichsten Länder der Welt und leistet sich die wenigsten Turnstunden in den Schulen. Sport in Berufsschulen und an Universitäten ist sowieso nicht existent. An ein College-Sportsystem ist gar nicht zu denken. Projekte wie Sport-Unis und Sport-Gymnasien sind Einzelerscheinungen, die gerade ein Prozent des Potenzials an talentierten jungen Menschen abdecken.

Die Beweihräucherung der österreichischen Trainer-Ausbildung stinkt zum Himmel. In allen vergleichbaren Olympia-Nationen gibt es hauptamtliche Trainer, die in jenen Ländern ausgebildet werden, die in der jeweiligen Sportart den Ton angeben. Das ist in Österreich nicht möglich, weil vor allem Nachwuchstrainer nicht anständig entlohnt werden. Leistungszentren bringen nur ganz selten erfolgreiche Sportler hervor.

Die Politik ignoriert das Thema Sport seit Jahren hartnäckig. Derzeit ist es im Verteidigungsministerium angesiedelt, wurde aber schon zwischen allen möglichen Ressorts hin- und hergeworfen. Nicht als heißer, sondern als kalter Erdapfel.

Dass gezielter Breitensport die Volksgesundheit entscheidend verbessert, zeigen Studien und andere Länder. Interessiert niemanden – trotz unfinanzierbarem Gesundheitssystem.

Guter Breitensport produziert guten Spitzensport. Doch ein Großteil der dafür aufgebrachten finanziellen Mittel versickert in der Verwaltung der Dach- und Fachverbände.

Österreichs Sport ist ein Selbstbedienungsladen für politische Wichtigtuer und Lobbyisten. Oder wie sagte der ach so böse Dinko Jukic: "Es wird Zeit, dass Funktionäre nicht vom Sport, sondern für den Sport leben."
- Originalwortlaut von Jürgen Preusser heute im Kurier

Meine Meinung dazu: Dem ist, im Wesentlichen nichts entgegenzusetzen oder hinzuzufügen!
Es gibt teilweise gute Arbeit, aber zu wenig. Die leistungsorientierten Strukturen fehlen in so vielen Bereichen und statt einem Ö-weitem gemeinsamen "Ziegen am Strang" zieht jeder am Spinnennetz der Macht- und Geldverteilung in seine Richtung.
Alfred Kaiblinger


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