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30.11.2007
Wohin mit Handicap

In den letzten Wochen gab es einige Artikel über behinderte Sportler, die mit den Nichtbehinderten mithalten.

Einer von ihnen ist der belgische Radsportler Jan Boyen, Unterschenklamputiert nach Motorradunfall und er hat seit vorigem Jahr einen Vertrag in einem Profi-Team. Er gewann bei den Behinderten-WM zb. heuer in Bordeaux das Zeitfahren der Klasse LC 2, hat einen Profi-Vertrag bei der Mannschaft Jartazi Promo Fashion und fährt dort die Rennen mit!!!!!
Und er hat in der aktuellen Ausgabe des Procycling ganze 2 Seiten!!

Der Südafrikaner Oscar Pistorius (das schnellste Ding ohne Beine - beide US-amputiert nach Geburt wegen Missbildung) läuft die 100m mit 2 Prothesen unter 11 Sekunden, wird 2ter bei der südafrikaischen Meisterschaft (der mit ganzen Körpern ;-) ) und will sich nun für die Olympischen Spiele in Peking qualifizieren.

Richtig gelesen, für die Olympischen Spiele, nicht für die Paralympics (da ist er sowieso qualifiziert).

Nun was ist also wenn wir diesen Weg der "Integration" weitergehen?

In einigen Ländern gibt es ja schon länger dieses Problem (falls es wirklich eines ist), dass Behinderte nicht bei den Meisterschaften der Nichtbehinderten (schlechtes Wort für den dem nichts fehlt, ich weiß) mitstarten dürfen, weil sie mit technischen Hilfsmitteln antreten.

Nun, früher war das kein Problem, es ergab sich gar nicht, waren doch Prothesen schwer, gaben keine Energie zurück, waren schlecht mit dem Bein verbunden etc.
Heute geben sie aber soviel an Energie zurück, dass Behindertensportler mit ihren Leistungen ganz in die Nähe der weltbesten Normalos kommen. Da werden die natürlich nervös und überlegen sich, ob sie das akzeptieren.

Nun welche Möglichkeiten gibt es dann?
Darf jemand, der ein so schneller Behindertensportler ist, an Meisterschaften der Behinderten und der Normalos im gleichen Jahr teilnehmen? Üblicherweise ist man ja auch nur in einer Klasse/Kategorie startberechtigt, also sollten wir das auch hier bei uns akzeptieren und nicht eine Ausnahme verlangen weil wir behindert sind.
Wenn wir uns den Weg der Integration erkämpfen, dann den Leistungen entsprechend zb. Pistorius bei den Olympischen Spielen zu einer Medaille in der 4x100m Staffel läuft, dann haben wir die volle Integration der Behindertensportler ihren Leistungen entsprechend (oder der ihrer technischen Hilfsmittel, denn ohne diese könnten sie nicht so schnell laufen etc.) erreicht.

Und was dann?
Wenn wir dann einmal so voll integriert sind, wozu brauchen wir dann noch den Behindertensport?
Nur für die Therapie oder die Wappler die nicht schnell oder kräftig genug sind? Paralympics und WM der Behinderten wären zu streichen - brauchen wir ja nicht mehr - die Besten kämpfen ja bei den Olympischen Spielen etc.
Ziel für die anderen bleibt dann was??

Also lieber NEIN DANKE, bleiben wir behindert - was sich ja auch wirklich nicht ändern lässt, bleiben wir bei unseren Behindertenwettkämpfen, werden wir der Beste unter Gleichen und sehen wir gegenseitig unsere Leistungen mit Achtung und Respekt:
Wir, die Leistungen der Nichtbehinderten mit (hoffentlich) reinem Körpereinsatz (also möglichst ohne Doping) und Diese, die Leistungen von uns trotz Behinderung und mit technischen Körperersatzteilen, die uns das Leben erleichtern sollen.

Übrigens:
Bei den Spielen 1904 gewann der Amerikaner George Eyser die Goldmedaille am Barren und beim Pferdsprung, sowie Medaillen am Seitpferd, am Reck und im Geräte-Siebenkampf der Männer. Eine dritte Goldene holte er im Tauklettern.
Das Besondere daran: Eyser verlor sein linkes Bein als er als Junge von einem Zug überfahren wurde, die Medaillen holte er mit einem Holzbein.

In den nächsten Tagen werden noch ein paar solche Beispiele auf diesen Seiten folgen.




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